Jugendliche im Netz: Berufswunsch „YouTuber“

Die Welt ist ein Dorf

Die aktivsten Körperteile vieler Kinder und Jugendlicher sind die Finger. Angeblich sind Zeigefinger oder Daumen bei manchen schon plattgedrückt … verbunden mit Genickstarre. Dabei wollen wir das digitale Zeitalter eigentlich nicht mehr missen: Eltern bleiben selbst mit pubertierenden Teenagern in Kontakt, wenn diese sie per WhatsApp fragen, wann es denn endlich Abendessen gibt (während sie gerade in ihrem Zimmer sitzen) oder mitteilen, dass sie abends den letzten Bus verpasst haben und daher bei einer Freundin übernachten. Die Großeltern bekommen regelmäßig ein Selfie zugeschickt (sofern sie auch digital vernetzt sind) und für Referate wird, ohne den Fuß vor die Tür zu setzen, schnell mal im Internet recherchiert (der Papa hätte dazu wahrscheinlich auch einiges gewusst, aber fragen dauert zu lange…). Über Gruppen-Chats in Smartphone Apps oder sozialen Netzwerken bleiben Freunde und Familie selbst über große Distanzen in einem regen Austausch und können ohne großen zeitlichen Aufwand alltägliches Einerlei miteinander teilen.

Die Welt scheint ein Dorf zu sein und Englisch ist wirklich praktisch, denn wer wirklich auf dem Laufenden sein möchte, der folgt nicht nur einer Handvoll deutscher YouTube-Stars mit deren Videos, Fotoserien oder auf Instagram, Snapchat oder Musical.ly, sondern weiß auch Bescheid, was sich auf der großen Bühne von YouTube in New York, Los Angeles, London oder Sydney zuträgt. Überhaupt scheint alles (außer der Schule) so einfach. Mit den Schminktipps von Heidi Klum oder der Beautyserie eines YouTube-Stars wird jeder Maskenbildner in die Tasche gesteckt. Und die Jungs schauen sich die Trainingseinheiten irgendwelcher Sixpack-Ikonen auf Video an und machen es locker nach, in der einen Hand die fünf Kilo Hantel, in der anderen Hand das Smartphone.

Klicks gegen Bares

Die meisten Gratis-Portale im Internet wie YouTube leben von der Werbung und von Daten über ihre Nutzer, die sie weiterverkaufen. Je mehr »Klicks«, desto lukrativer ist ein Video für die Werbebranche und für den Ersteller. Je mehr »Likes« ein Foto hat, umso interessanter ist es nicht nur für Werbezwecke, sondern auch für Datenverknüpfungen, wie wir später noch sehen werden. Mit dem Geschäftsmodell »Klicks gegen Bares« werden junge Menschen bereits im Teenager-Alter über Nacht berühmt und reich. Sie produzieren mit der Smartphone-Kamera oder über den PC ein Video von sich oder lassen die Welt über einen sogenannten Live-Stream an ihrem Privatleben teilhaben. Je mehr Menschen diese Videos konsumieren, desto größer sind die Werbeeinnahmen der Selbstdarsteller. Wenn es mit der Schule also nicht so klappt, gibt es dank Internet genügend Möglichkeiten, beruflich erfolgreich zu werden: Man filmt sich, redet ungehemmt ins Mikrofon und verdient damit Geld. Der Berufswunsch vieler Heranwachsender lautet ganz simpel: »YouTuber«. Denn die digitale Welt bietet nicht nur viel Spaß, sondern auch viel Geld.

Wer sind die YouTube Stars, was macht sie so attraktiv für Kinder und Jugendliche und welchen Einfluss üben sie auf die Heranwachsenden aus? Wie verändern sich Sprache und Kommunikation der digitalen Generation? Was sind die Besonderheiten und vielleicht auch Eigenheiten von Apps wie WhatsApp, Instagram oder Snapchat? Was steht in den AGB und wo lohnt sich vielleicht ein Blick auf Privatsphäre-Einstellungen oder das Hinterfragen von Datensicherheit? Ich lade Sie ein auf eine Reise in die digitale Welt der Jugend im Jahr 2016.